Rückflug incoming

Die letzte Nacht im Hotel und fast alle Taschen sind gepackt. Morgen geht es gegen 12 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen und um 15:50 startet das Lufthansa Flugzeug (LH443) Richtung Frankfurt. Landung ist planmäßig um 6:10, es sind keine Streiks angekündigt und Sonne wird für nächste Woche auch vorausgesagt. Passt… Manchmal ist der Flieger auch noch eine Stunde vorher da, soweit die Winde für uns sind.

Schon ein komisches Gefühl, dass nun der Diensturlaub über ein Jahr quasi zu Ende ist, aber im „Nachhinein“ muss ich irgendwie sagen, dass dies vielleicht einer der besten Jahre, wenn nicht das beste Jahr, war, das ich bisher erleben konnte. Ich wurde viel gefordert, habe viel erlebt und habe viele neue, gute Kontakte aufbauen können. Der Anfang war härter als erwartet, aber wenn es flutscht, dann flutscht es und es war echt schön mal in einer guten Umgebung neue Dinge aufnehmen zu müssen. Raus aus der Komfortzone, ich würde es in der Nachschau wieder machen.

Ich hoffe den Schwung und das gute Wetter mit nach Deutschland zu nehmen und auch mehr Dinge außerhalb des Alltäglichen zu tun. Hier in den USA war ich dank des fehlenden Alltags gezwungen und es war immer spannend, wenn auch mühsam. So möchte ich zum Beispiel auch mal Neuschwanstein und Rothenburg an der Tauber besuchen.

Die USA oder zumindest Michigan sind aber kein Land in dem ich mir vorstellen könnte dauerhaft zu leben. Viel habe ich darüber geschrieben, aber einer der Hauptgründe ist das sehr mangelhafte Sozialgefüge gegenüber allen (nicht nur der eigenen Interessengruppe), der fehlenden Gemütlichkeit in den Städten und Dörfern und der persönlichen Freiheit zu Handeln (Artikel 2 GG).

Dennoch hat mich das Land sehr positiv überrascht. Gerade die Freundlichkeit, Offenheit und Eingliederung der gesamten Familie in soziale und gesellschaftliche Aktivitäten. Auch die Kombination des Rudimentären, teilweise archaisch Wirkenden, in Kombination mit modernster Technologie zeigt doch, dass es nicht immer notwendig ist auf absolute Perfektion zu setzen. It just works (for me)…

Ein paar Zahlen:
– 409 Tage,
– 9.000 Seitenansichten, 4.200 Besuche des Blogs in den letzten neun Monaten, davon 30% aus den USA (Danke dafür),
– 300 Burger/Sandwiches (grob 5 pro Woche)
– 2 Halbmarathons, die 5 km Distanz von 32 Minuten auf 24 Minuten reduziert
– Gewicht gehalten
– Zig Tausend Kilometer Auto gefahren.
– 8.888 Fotos, davon 5.000 als akzeptabel markiert.

In diesem Sinne möchte ich den Blog mehr oder weniger beenden, es war schön ein Teil von Michigan zu sein und es wird auch wieder schön ein Teil von Deutschland zu sein! Aber wie es eine resignative Phase am Anfang der USA Zeit gab, wird es diese auch in Deutschland geben, da nicht alles ist, wie man es sich vorstellt.

Ich danke für die Aufrufe, das Kommentieren und das aktive Kontakt halten und in Richtung USA möchte ich sagen:

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Es war eine schöne Zeit mit euch! (oder neudeutsch: XOXO)

Yellowstone Park

Nach knapp 5.000 Kilometer Fahrt sind es noch 400 km bis zu unserer Mietstation in Chicago. Auf Facebook hatte ich schon die Fotos von unseren Stationen des Yellowstone Parks gepostet.

Unbenannt

(Leider kein Onedrive, irgendwie ist das gerade verbuggt (oder das WLAN echt grauenhaft))
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10206769210017163.1073741840.1482512806&type=1&l=d71ea32f3b (auch für Nicht-Facebooker verfügbar, OneDrive Link liefere ich nach)

UPDATE (OneDrive-Link): http://1drv.ms/1QJGgxz : UPDATE

Auf einem McDonald’s Parkplatz hat es leider unseren Camper erwischt. Während wir wie Könige gespeist haben, hat eine junge Dame beim Umparken unseren Camper gestreift. Sie hat sich immerhin gemeldet und es ist der Versicherung übergeben. Ich bin gespannt. Die Polizei erscheint leider nicht bei Unfällen auf Privatgelände, wenn es keine Verletzten gibt und der Unfallverlauf klar ist.

Der Yellowstone Park selbst ist sagenhaft schön. Es ist eine Kombination aus Grasland, Bergen, Wäldern und Seen. Dazwischen finden sich exotische Geysire oder andere Dampflandschaften. Auf dem Grasland sind Hunderte Bisons zu sehen, etc… Wenn man mehr als die 20 Fotos sehen mag, lade ich den-/diejenige gerne zu einem „Tausend Foto-Dia-Abend“ ein… *hust*. Trotz langer Fahrt hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt.

Leider ist die USA eine Autofahrer-Nation durch und durch, so dass man viele Punkte nur per Auto erreichen kann. Es gibt zwar viele Wanderwege/Trails, aber es gibt kein vollumfassendes Wanderwegenetz, so dass man vom Camping-Platz aus die nahegelegenen Punkte erreichen kann. So fährt man doch meist von Ort zu Ort und das Wohnmobil frisst grob 25 Liter pro 100 km…

Auch vielen Dank an meinen Kollegen, der mir den Tipp der Badlands und des Devils Tower gegeben hat (und vielen Dank an den Google Übersetzer, so dass er diesen Beitrag auch lesen kann :-) [wenigstens fällt nach der Übersetzung meine furchtbare Blog-Grammatik nicht auf] ).

Wie schon geschrieben geht es morgen zur letzten Station, wir schauen uns dann nochmals Chicago an und am Montag geht es wieder zurück ins Hotel nach Auburn Hills. Am Mittwoch wird zurückgeflogen.

Religion

Wie versprochen noch ein letzter Topic-Blog Post: Über Religion… Ich persönlich bin religions- und glaubensfern und solange die Überzeugung der anderen meine Freiheit nicht einschränkt (Tanzverbot [9 Tage in RLP], allgemeine Steuermittel an die Kirchen), stehe ich allen Religionen (abgesehen in fundamentaler Auslegung) wohlwollend gegenüber…

Über Religion, gerade der christlichen Religion, liest man in den USA häufiger. Im staatlich-gesellschaftlichen Leben kommt man mit Religion absolut nicht Kontakt. Im Gegensatz zu Deutschland ist Staat und Kirche hier absolut(?) getrennt, es kommt hier zu keiner ungewollten Durchmischung zwischen staatlichen und religiösen Institutionen, wenn auch zu religiös-moralisch geprägten Gesetzen. Allgemeine Festivitäten haben auch keinerlei Kirchenbezug.

Kirche

Außer Weihnachten sind alle nationalen Feiertage weltlich geprägt. Karfreitag war auch noch bei unserer Firma frei (firmenindividueller Feiertag (PTO, paid-time off)). Es wird mehr an die Nation, ihrer Geschichte, ihren Kriegen und den Veteranen gedacht. Der Großteil der Gesellschaft hat frei – eine sehr schöne Sache, auch in Deutschland – man kann zusammen die Freizeit genießen. Mir persönlich ist es egal, ob Feiertage weltlich oder kirchlich sind, wichtig ist, dass dies eine gute Möglichkeit für gemeinsame Erlebnisse ist.

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Im persönlichen Kontakt mit vielen jungen Erwachsen um mein Alter habe ich keinerlei Gespräch oder gar Diskussion über den Glauben oder über die Konsequenz des Glaubens gehabt. Ein Nachbar hatte mich hin und wieder auf einem Gottesdienst eingeladen, hat aber meine Ablehnung nicht diskutieren wollen. Auch wenn es mich aus „touristischem“ Interesse gereizt hätte, habe ich nicht teilgekommen.

Was völlig anderes ist der politisch-moralische Einfluss der Glaubensorganisationen auf die Gesellschaft. Es gibt an jeder Ecke eine Kirche, meist dezentral organisiert und nicht der katholischen oder einer anderen zentralen Kirche angeschlossen. Die Kirchendichte ist absurd hoch, auf der Fahrt von der Arbeit bis nach Hause fahre ich fast an einem Dutzend Kirchen vorbei. Pro Ort gibt es nicht nur eine protestantische und eine katholische Kirche, viele Kirchen sind freie Kirchen. Dies nicht nur in Michigan, sondern auch in den anderen Bundesstaaten, die ich besucht hatte.

Die Kirchen erhalten ihre Mittel über freiwillige Beiträge und sind äußerlich sehr gut ausgestattet. Die Spendenbereitschaft scheint hoch zu sein.

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Der streng-ausgelegte Glaube nach den Worten der Bibel wird hier auch zum Teil fabriziert und ich wurde hin und wieder von wenige Personen, meist Zufallskontakte oder Kontakte von Kontakten, in eine Diskussion verwickelt, die mir klar machen sollte, dass jede Wissenschaft, die gegen die Worte der Bibel verstoßen, gegen das Wort Gottes verstoßen und damit eine Sünde seien.

Gerade der „Junge-Erde-Kreationismus“ wurde mir von den Herren als Beispiel gegeben. Nach diesem Glauben ist die Schöpfung, inklusive der Welt und seiner Lebewesen, vor 6370 Jahren (könnten mittlerweile mehr sein) geschehen. Dinosaurier haben mit den Menschen zusammen gelebt (siehe Museum in Kentucky). Zwei der drei Personen haben mich aktiv bei Veranstaltungen angesprochen und waren missionarisch unterwegs, die dritte Person eine Gelegenheitsdiskussion. Man muss sagen, dass diese Überzeugung stärker ist, als man glauben möchte und sie wird stillschweigend toleriert. Alternativ gibt es noch den „Alte-Erde-Kreationismus“ und „Intelligent Design (Gelenkte Evolution)“. Auf jeden Fall solle ich aufhören die Bibel nur als Literaturstück zu behandeln, da ansonsten die Hölle auf mich wartet.

In the beginnen God created....

Der „Junge-Erde-Kreationismus“ ist leider nicht nur eine spinnerte Einzelmeinung. Sie ist eine Mindermeinung, beeinflusst doch die Gesellschaft und den Mainstream. Ich persönlich mache mir hier auch Gedanken um den Wissenschaftsstandort der USA. Wie geschrieben, im Freundes- und Kollegenkreis habe ich nirgends eine solche Meinung gehört. Es wird aber auch über Politik und Religion nicht diskutiert und ich war meist in einem jungen, sozial aufgeschlossenen Kreis unterwegs und ich habe soweit mitbekommen, dass viele Kollegen kirchlich aktiv sind (Kommunion, Sonntags-Kirchgang, etc.).

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Ein Kollege besucht aber auch zum Beispiel einen Teil seiner Verwandten nicht mehr, da er dort nur darüber Vorhaltungen hört, dass er seine Sünden nicht verarbeitet und damit seine Kinder ja in die Hölle führt.

Die Highways sind vollgepflastert mit Plakaten (mindestens jeder Kilometer), dass

  • der Weg nur über Gott führt,
  • dass Gott seinen Sohn geopfert hat,
  • die Evolution eine Lüge ist,
  • Abtreibung eine Sünde ist
  • Und man die Auswahl zwischen Himmel oder Hölle hat.

If you die tonight? Heaven or Hell

Zu Mittag bei den Eltern einer Bekannten wurde auch ein Tischgebet unter Erwachsenen gesprochen, die Hände wurden gehalten, es wurde toleriert, wenn man das Amen nicht ausgesprochen hat. Dennoch mal eine ganz andere Erfahrung, mein erstes Tischgebet seit Jahrzehnten. Geholfen hat es mir aber auch nicht…, war dennoch eine ganz nette, andere Erfahrung.

Insgesamt habe ich hier also, abgesehen von den obigen Missionierungsversuchen, dem familiären Tischgebet und den unerträglichen Plakatwerbungen keinen Kontakt zu Religion und Glauben gehabt und kann daher nicht sagen, wie er tatsächlich praktiziert und wie die Moral der Religion auf die Kinder und jungen Erwachsenen übertragen wird (über die Sexualmoral kann ich nichts schreiben…). Zumindest nimmt der christliche Glaube eine starke, gesellschaftsprägende Rolle ein, die zu Verboten und Moralvorstellungen in der Gesellschaft führt. Wenn es auch hier kein Tanzverbot gibt (habe ich mich schon mal darüber aufgeregt? Falls nicht, werde ich es spätestens wieder zu Ostern tun.).

Religion USA

Religion USA

Die Präsenz anderer Religionen habe ich nur vereinzelt gesehen. Ein paar jüdische Synagogen und eine Koran-Missionierungsgruppe. Aber alles subjektiv und meiner Wahrnehmungsblase im Speckgürtel von Michigan. Religion findet hier scheinbar in einer Parallelwelt statt.

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Ein langer Post… Mit wenig Inhalt, ich kam wenig mit der Religion in Kontakt und kann nur von außen berichten. In Summe: Keine negative Erfahrung gemacht. Ich konnte frei leben und wurde als „Nicht-Gläubiger“ nirgends diskriminiert. Die Ausübung der Religion scheint aber, wie auch die Politik, fundamentaler zu sein.

Folgend ein paar Impressionen… und ein paar mehr Straßenschilder:

http://1drv.ms/1G2fGoM

Unbenannt

 

South Dakota

Mittlerweile Tag 4 des Campings, Annabelle und ich haben sich einen fiesen Virus eingefangen, daher lassen wir es nun etwas ruhiger angehen. Aber 35°C und strahlender Sonnenschein in Kombination mit leichten Kopfschmerzen sind prall.

Die gestrige Fahrt zu den Badlands in South Dakota war reichlich unspannend. Im Großen und Ganzen absolutes Flachland und absolut nichts spektakuläres zu sehen.

Blick von der Raststätte in South Dakato

 

 

Mit einer Ausnahme: Die Überquerung des Missouri:

Missouri

Als Campingplatz halten wir uns an die KOA-Campingplätze, die insgesamt von recht hoher Qualität sind. In den letzten Jahren war ich nur auf Rock am Ring/Southside zelten, so dass mein Qualitätsanspruch recht niedrig ist.

Jeder dieser Zeltplätze hat Dusche, einen Pool, einen Spielplatz (das Schöne an den USA, es gibt überall und auf jedem Fest entweder einen Spielplatz oder eine Hüpfburg [dafür aber keinen Bierstand, die Familie muss in Deutschland zu Hause bleiben]). Und jeder KOA-Zeltplatz hat kostenfreies WLAN. Der Mensch von heute braucht das…

Apropos Bier… Hier in South Dakota gibt es das Bier nur in Liquor Stores zu kaufen. Man verlässt also den Walmart und betritt einen kleinen Getränkeladen durch eine andere Tür. „It’s state law“… Wenn man was abgrundtief bescheuertes akzeptieren muss (You have to comply), ist es zu 90% State Law (Michigan Law, South Dakota Law).

Walmart Liquor Store Alkohol USA

 

 

Leider, wie in vielen anderen englisch-dominierten Ländern, ist es nicht möglich einfach über das Land zu laufen. Der Zeltplatz ist von Feldern und Grasfläche umgeben und es befinden sich dort keine öffentlichen Wege, die man nutzen kann. Man ist also auf dem Camping-Platz mehr oder weniger gefangen und kommt nur per Auto raus. So ein spontaner Spaziergang ist nur schwer möglich. Daher sieht man alle 300 km mal einen Wanderer auf dem Highway.

Camping Platz KOA Buffalo Grassland

 

In Albert Lea

Die ersten 12 Stunden Autofahrt haben wir hinter uns. Weitere 18 Stunden haben wir noch zu schaffen.

Unser Camper:

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Nicht unser Camper (inklusive Slide-Outs):

Großer Camperwagen

 

Minnesota ist relativ unspannend…

Minnesota Feld

Beim Halt in Chicago haben wir tatsächlich ein Eisenbahnmuseum gesehen, in dem wir einen gesamten Tag verbracht haben (unbegrenzte Eisenbahnfahrten inkludiert). Ich kann keine Eisenbahn mehr sehen

Dampflok

Ansonsten sitzen wir gerade am Lagerfeuer (inkl. Weihnachtsbeleuchtung, die das Lagerfeuer schön grün macht [Geheimtipp eines Nachbarn]). Und es ist nicht gerade der optimale Zeit zu bloggen… In diesem Sinne, eine gute Nacht.

Lagerfeuer auf der Wiese mit Kupfer

 

 

Der Auzug (Exodus)

Am heutigen Mittwoch kam nun endlich der Container und nahezu all unsere Sachen sind nun bald hoffentlich auf dem Weg nach Mainz. Angeblich braucht er grob 6 bis 8 Wochen, die ersten drei Wochen sind wir im Urlaub, so dass wir nach Rückkehr nicht mehr allzu lang warten brauchen. Mein PC ist schon unterwegs, daher ein etwas unbequemer Laptop-Betrieb. Es ist nun alles in 4 Koffer und Handgepäck verpackt und ein zu Hause haben wir auch nicht mehr.

Umzugstransporter

Wie geht es nun weiter? Zuerst übernachten wir die ersten zwei Nächte im Hotel in Auburn Hills (bei Detroit), dann eine Nacht im Hotel bei Chicago. Dort holen wir dann unser Wohnmobil ab und fahren für drei Wochen Richtung Yellowstone Park und zurück. Wetterbericht ist durchmischt, aber das sind wir ja von Michigan gewohnt. Entweder strahlend blauer Himmel oder es schüttet wie aus Kübeln.

Die Fahrt dorthin dauert grob 24 Stunden und soll zwischen phantastisch und urlangweilig (Gras- und Getreidelandschaften) schwanken. Ab Stunde 6 werden wir bis dorthin, wahrscheinlich inklusive Yellowstone Park selbst, auch kein Internet mehr haben, da T-Mobile die gesamte Gegend nicht versorgt und wir dann über AT&T geroamt werden. Netterweise bietet AT&T nur 10 MB Inklusivtraffic, die natürlich schon lange verbraucht sind (bei Traverse City hatten wir die gleiche Erfahrung). Daher wird die Reise, ohne Internet, auch eine ganz neue Erfahrung! Gibt aber bestimmt genug WLAN-Hotspots unterwegs…

Morgen erstmal Wohnungsübergabe… dann geht es weiter. Ich werde das Wohngebiet mit den schönen schwarzen Straßen vermissen.  

20150603-IMG_0811Straße Hawkeye

 

Gestörte Trinkkultur

in bereits fünf Tagen verlassen wir hier unser Haus und die Zeit rennt und rennt und rennt.

Einer der letzten Blog-Berichte handelt über die Trinkkultur in Michigan, soweit wie ich sie mitbekommen habe. Natürlich habe ich nur ein Teil gesehen und kann daher auch nur über eine kleine Mikrokultur berichten. Allerdings war ich zum großen Teil mit US-Bürgern und weniger mit anderen Expats oder Deutschen unterwegs. Das Leben in anderen Großstädten wie Chicago, New York, Las Vegas und New Orleans soll anders sein, allerdings fehlt mir hier aber die persönliche Erfahrung. Daher gilt dieser Blogeintrag erstmal für Michigan.

In der Öffentlichkeit ist das Trinken unerwünscht – kein großes Geheimnis. Ich habe persönlich kaum eine Person gesehen, egal zu welcher Uhrzeit, die auf öffentlichem Gelände Alkohol getrunken hat. Eine Flasche Bier zur Kneipe, von der Kneipe oder zwischen den Kneipen geht nicht. Bei Außengeländen von Kneipen wird eine Linie auf den Boden gezeichnet.

Im Übrigen ist die “Brown Bag” rein rechtlich keine Möglichkeit das “Open Container Law” zu umgehen (habe ich persönlich auch nie gesehen, höchstens den “red cup” während des St. Patrick’s Day). Hin und wieder wird argumentiert, dass der Polizist, der eine Brown Bag sieht, keinen ausreichenden Verdacht (“reasonable suspicion”) hat, dass sich darin Alkohol befindet, es könnte ja auch Milch sein. Ich persönlich sehe es als ganz dünnes Eis an (Bzw. als Gast mag ich mich nicht in den Grauzonen von Gesetzen bewegen [wobei man sich da schon als Mitbürger zweiter Klasse fühlt und es kein Dauerzustand ist]).

Alkohol

Es gibt Veranstaltungen wie Oktoberfeste und Weihnachtsmärkte, aber Alkohol wird nur im umzäunten Gelände ausgeschenkt und darf auch nur dort konsumiert werden. Im Regelfall dürfen Menschen unter 21 Jahren diesen umzäunten Bereich nicht betreten (scheint aber auch ein paar Ausnahmen zu geben, wenn man im richtigen County ist und die richtige Lizenz besitzt).

Jägermeister OktoberfestDon't drink and drive

Am Einlass wird die ID gecheckt und dies auf sehr deutliche Art und Weise. Man wird beim Zeigen der ID nicht weitergewunken, auch wenn man deutlich älter als 21 aussieht. Es wird die ID in die Hand genommen und nach dem Datum explizit gesucht und geprüft (zum Teil auch leise vorgelesen um sicher zu sein, dass man auch wirklich geprüft hat). Vermutlich wird hier öfter von offizieller Seite getestet. 

 Biergarten

Es gibt hier Kerbe, Volksfeste und viele andere Veranstaltungen bei denen überhaupt kein Bier und andere Alkoholika ausgeschenkt wird. Wenn es dem “Deutschen” beim Betreten einer Kerb schon unterbewusst juckt nach einem Bierstand zu suchen, so wird man hier schnell enttäuscht. Wenn man bei einem winterlichen Volksfest mit Umzug (Parade) nach einem Glühwein lechzt, so wird man lange suchen und bei einem Sommerfest sieht es auch mau aus. Der pawlosche Hund, der anfängt zu bellen, sobald man Menschen in Kombination mit lauter Musik und blinkenden Lichtern sieht, wird hier sehr schnell umerzogen.

Kerb

Ich will nicht sagen, dass hier wenig getrunken wird (USA pro (Kopf*Jahr): 9,5 L, Deutschland 12,8 L), das Trinken ist aber deutlich vom Alltag getrennt und nicht im gesellschaftlichen Leben eingebettet. Eine Durchmischung von Aktivitäten und Ereignissen zu denen man immer einen Grund zum Trinken findet, gibt es hier viel weniger. Ein Ereignis ist implizit ein trinkendes Ereignis oder kein trinkendes Ereignis und die meisten Ereignisse sind nicht trinkend. Bei den trinkenden Ereignissen wird allerdings schon deutlich, aber ohne Übermaß getrunken.

Auch greift die Security in Kneipen/Clubs bei unüblichem Verhalten (muss noch kein Fehlverhalten sein), der durch Alkoholkonsum rührt, viel früher ein und man wird gewaltsam aus der Kneipe befördert. Mir persönlich ist es nicht passiert, aber einem Bekannten, der absolut nicht aggressiv aufgetreten ist und noch lange nicht besoffen war.

Bar von innen

Ach ja, in den USA gibt es auch Dry Counties in denen überhaupt kein Alkoholkonsum/-besitz (> Bier), auch im Privaten, nicht gestattet ist. Auch Michigan hat einige Regeln… Das County der Jack Daniels Brennerei in Kentucky ist übrigens auch ein solches “Dry County”. Ein schöner Wiki-Artikel über das Chaos, wenn Counties ihre eigenen Gesetze verabschieden können: http://en.wikipedia.org/wiki/Alcohol_laws_of_Kentucky

In Michigan gibt es eine ausgeprägte Bierbrauereikultur und die Kneipen sind sehr stolz auf ihre selbstgebrauten Biere. Sie schmecken sehr gut, sind sehr abwechslungsreich und die üblichen Vorurteile über “Ami-Bier” treffen hier nicht zu. Sie treffen allerdings sehr wohl auf “Bud Light”/”Papst Blue Ribbon” und andere Ungenießbarkeiten zu. Und meist ist das Bier auch stärker als in Deutschland (um die 7 bis 9%).

Die Trinkkulturen

Was ist nun der Unterschied zu Deutschland?  Durch Zufall habe ich eine deutsche Studie über die Umsetzbarkeit von Alkoholverbot auf öffentlichen Gelände gelesen.

http://www.polizei-newsletter.de/documents/2015_Betschner_Alkoholverbot_im_oeffentlichen_Raum.pdf

Einer der deutlichen Sätze war (und dies ist auch gut so!):

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In den USA ist man hier anderer Meinung.

Im obigen Paper und in mancher Literatur wird zwischen drei Trinkkulturen unterschieden:

– Abstinenzkultur
– Trinkkultur
– Die gestörte Trunkkultur.

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Nach dem einen Jahr in den USA zähle ich Deutschland eindeutig zur gestörten Trinkkultur, da Gesellschaft und das soziale Umfeld erst eingreifen, wenn die negativen Seiten des Alkoholkonsums herausstechen und man zuvor kaum hinderndes Feedback erhält (Nicht nur durch Personen, sondern weil einem der Konsum verunmöglicht wird). Auch sind hier die negativen Eigenarten von betrunkenen Gesellschaften kaum sichtbar, wobei man auch deutlich sagen muss, dass hier eine Vermischung der gesellschaftlichen Schichten nicht so ausgeprägt ist. In der Nachschau habe ich hier keine “voll-volle” Person erlebt oder offensichtlich gesehen. 

In alltäglichen Medien in Deutschland wird der Alkoholkonsum als was Schönes und Erstrebenswertes dargestellt. Es ist gutes Wetter und wie wird es in den Medien präsentiert?

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In Deutschland kann der Alkoholkonsum nahezu zu jeder Uhrzeit vorgenommen werden ohne sozial korrigiert zu werden. Würde ich in den USA während eines Essens mit Kollegen zum Mittag ein bayrisches Weizen zur Weißwurst bestellen, könnte ich davon ausgehen, dass ich eine deutliche Abmahnung einfangen werde. Abgesehen davon wäre ich der Einzige. Selbst im “Hofbräuhaus” in Frankenmuth war mehr Soda als Bier auf dem Tisch (siehe). Ich bin im vorletzten Jahr mehrfach Snowboard mit “US-Bürgern” gefahren ohne je einen Flachmann gesehen zu haben (es gibt überhaupt kein Bier in der Skihütte).

Ob ich USA zur gestörten oder nicht gestörten Trinkkultur zählen würde, weiß ich nicht. Es ist aber auf jeden Fall einfacher nicht zu trinken ohne von der Gesellschaft bewusst oder unterbewusst zum Alkoholkonsum gebracht zu werden. Es ist allerdings auch schwerer zu jeder Gelegenheit ein Bierchen zu trinken, ohne zumindest aufzufallen.

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http://www.cityofnovi.org/City-Services/Public-Safety/Police/Community-Programs/Choose-Your-Ride.aspx

Da es hier in der Gegend keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, ist die Rate der Alkoholfahrten sehr hoch. Dank Uber gibt es für mich ein Verkehrsmittel, wenn man mal mehr als zwei Bier trinken mag, es ist aber nicht ausreichend verbreitet. Im Jahr 2013 gab es hier 10.000 Verkehrstote durch Alkohol, im Jahre 2010 in Deutschland 350 Verkehrstote (ein vollbesetztes Verkehrsflugzeug… Pro Jahr…). Prozentuell weit weniger, auch wenn inakzeptabel hoch.

Schulbus

Allein an St. Patricks Day (ein “trinkendes” Fest) wurden 532 Fahrer in Michigan mit Übermaß an Alkohol aus dem Verkehr gezogen. Hier funktioniert die soziale Kontrolle nicht, da Fahren unter Alkohol als “notwendig” angesehen wird. Im Regelfall kostet der “Spaß” bei Erstverstoß hier grob 10.000 USD und man ist gut ein Jahr beschäftigt. Man muss, je nach Urteil, auch an Selbsthilfegruppen teilnehmen, bei denen Eltern ihre Kinder wegen Alkohol am Steuer teilgenommen haben.

Allerdings habe ich hier auch nie grölende und/oder volle Menschen gesehen, die sich nachts von Kneipe zu Kneipe bewegen und ich war hier mehrfach an unterschiedenen Orten bis zur Sperrzeit (2 bis 3 Uhr) unterwegs. Man kann davon ausgehen, dass auffällige Damen und Herren in diesem Lande sehr schnell von der Polizei gehindert werden und die Nacht im Gewahrsam verbringen.

http://www.legislature.mi.gov/(S(s3u4x0hoxhbbvyezbecpuiir))/mileg.aspx?page=getObject&objectName=mcl-750-167 (Michigan Law)

imagehttp://ecode360.com/8260224?highlight=disorderly%20conduct,disorderly,conducted,conduct#8260224 (Royal Oak Law)

Ich bin schon froh bald wieder in Deutschland zu sein und ein “Road-Pub/Beer” (Wege-Bier) zu genießen. Es ist auch angenehm Teil einer “gestörten Alkoholkultur” zu sein, da dies in meinen Augen auch Auslebung von Freiheit ist. Nicht zu vergessen sind allerdings die vielen Menschen, denen diese Freiheit zum Verhängnis werden. Selbstverantwortung ist keine Einbaustraße.

Pro und Con… Hier habe ich bisher keine Alkoholkriminalität persönlich erlebt, in Deutschland ist das Ausgehen schon deutlich stressiger. Hier in Michigan läuft alles, auch das Ausgehen, sehr gesittet ab (Allerdings habe ich offensichtlich noch nicht alles gesehen). In anderen Städten und in Universitäten kann es schon anders aussehen.

Darauf ein Prost… Und darauf, dass eine der hiesigen Assoziationen von “to be german” ist im Übermaß Bier zu trinken.

“Aufhörn, Aufhörn, Aufhörn
Wir müssen aufhörn weniger zu trinken
wir brauchen viel mehr Alkohol
wenn wir nicht aufhörn weniger zu trinken
dann werden wir heut nicht mehr voll”

Memorial Day

Am heutigen Tage, dem Memorial Day, wird allen amerikanischen Soldaten gedacht, die für die Freiheit des Landes gestorben sind. Lass ich mal so stehen…

Wir haben diesen Tag in Rochester genutzt eine der Paraden anzuschauen. Sie begann am Friedhof und endete etwas südlich der Stadt und dauerte leider nur etwa 10 Minuten.

Ein paar Bilder um einen Eindruck zu erhalten. Zusätzlich hatte ich die Gelegenheit ergriffen ein paar typische amerikanische Häuser in Rochester zu fotographieren, einer etwas reicheren Stadt. (Auch Snobchester genannt).

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http://1drv.ms/1GyxVq6

Wie geht es nun weiter?

Blog: Zwei Themen-Blog-Einträge habe ich noch offen: Religion und gestörte Alkoholkultur, ansonsten wird es hauptsächlich Bilder regnen.

Unser Aufenthalt: Ich habe noch 5 Arbeitstage zu schaffen, zwei der drei Verabschiedungsparties sind gelaufen und am 03.06 kommt der Container und lädt den Inhalt unseres Hauses ein. Danach geht es für 3 Wochen auf Reise Richtung Yellowstone Park mit dem Wohnmobil. Ergo: In einer Woche sind wir ohne Wohnung!

Es kann sein, dass wir auf der Reise keinerlei Daten-Mobilfunkempfang haben. Wir haben bereits auf dem Kurztrip nach Traverse City festgestellt, dass T-Mobile dort kein Netz hat und man über AT&T geroamt wird. Während des Roamings hat man aber nur 10 MB, so dass man innerhalb weniger “Minuten” von der Internet-Welt abgeschnitten ist. Dies betrifft damit auch WhatsApp…

Der Flug zurück nach Deutschland geht am 24.06, also ziemlich genau schon in einem Monat…

Traverse City

Letztes Wochenende, ein verlängertes Urlaubswochenende, haben wir Traverse City und die Sleeping Bear Dunes besucht, ein wunderschönes Dünengebiet. Zum Teil mit über 100 Meter hohen Dünen.

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Warum werden die Dünen nach schlafenden Bären benannt?

Der Name des Gebietes geht auf eine Sage der Anishinabe zurück: Einst soll eine Bärin mit ihren zwei Jungen vor einem Waldbrand in das Wasser des Sees geflüchtet sein. Die Bären schwammen um ihr Leben, doch schon bald blieben die Jungen hinter ihrer Mutter zurück. Schließlich erreichte die Bärin das andere Ufer und kletterte auf eine Düne, um nach ihren Jungen Ausschau zu halten, doch diese ertranken. Mit der Zeit bedeckte der Wind die wartende Mutter mit Sand.

Eine tragische Geschichte…

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Das Hotel, Great Wolf Lodge, ist auf Kinder getrimmt. Mit einem “Zauberbereich” und einem riesig großen Indoor-Wasserpark (ähnlich dem am Weissenhäuser Strand). Etwa 3 bis 4 Stunden von Rochester Hills aus entfernt, also gut geeignet für einen amerikanischen Wochenendtrip.

Wasserturm

Eine Sache, die sich in jeder amerikanischen “Kinder-Spielbereich” findet, ist auch ein Geräte-Spielbereich in dem man viele Dollar loswerden kann. Es ist völlig üblich in den Bereich zu gehen und eine halbe Stunde zu verbringen. Viel läuft hier über extrinsische, also fremdgetriebene Motivation und Unterhaltung. Glücksspiel ist allerdings in Michigan verboten [wie viele andere Dinge], daher kann man dort effektiv nichts gewonnen.

Spielhölle Wolf Lodge

Traverse City ist eine kleine Stadt direkt am Lake Michigan mit einer echten Innenstadt, ein paar Geschäften und Kinoanlagen. Sehr nett zu bummeln, Kaffee zu trinken und zu entspannen, eigentlich außergewöhnlich.

Bar von innenKino

Der Sleeping Bear Dunes National Lakeshore Park ist ein Top gepflegter Park mit vielen Wanderwegen und sogar eine Wanderstraße, die man abfahren kann. Man kann hier “problemlos” eine Woche verbringen, Ferienhäuser gibt es hier mehr als genug zu vermieten und auch die Bierbrauereikultur ist hier sehr groß (und lecker). Für die, die nicht auf Bier stehen, gibt es hier auch Weinproben. Das Essen, wenn auch doppelt so teuer, wie sonst, war hervorragend und die großen Seen sind einfach hervorragend um mit einem gemieteten Boot rauszufahren und zu angeln. Auch als schönster Ort USAs gewählt… (wobei in den USA irgendwer irgendwas immer als Beste und Schönste bewertet hat [Best dentist in Rochester Hills*]). Aber ich muss schon sagen, dass Traverse City und dessen Region locker mit den “typischen” Touristenzielen wie Kalifornien mithalten kann. Wobei man, wie in vielen anderen englisch-sprachigen Ländern“, das Wandern außerhalb der Parks nahezu vergessen kann, da vieles Privatgrundstück ist und man dann nur entlang der Bundesstraßen laufen kann.

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So schön der Strand auch ausschaut, so mückenbelastet war er allerdings auch. Eigentlich unbesuchbar:

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Ansonsten habe ich nur noch 8 Tage zu arbeiten, nächsten Montag ist “Memorial Day”, also arbeitsfrei und dann geht es in den großen Urlaub. Mit Michigan sind wir soweit durch, leider schaffen wir es nicht die Nördliche der beiden Halbinseln zu besuchen. Angeblich eine andere Welt und völlig naturbezogen.

Ein paar Fotos finden sich in der untenstehenden Galerie, ein paar private Fotos im privaten Bereich.

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http://1drv.ms/1FyDaXG

*) Survey among all employees of the dentist.